Herr Bertling.

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Instant Publicity

Wie das frag­men­tierte Netz Öffent­lich­keit schaffen kann

Am Freitag habe ich eine Uni-Prüfung zur „Frag­men­tie­rung von Öffent­lich­keit” (erfolg­reich ;) ) absol­viert. Eine meiner Thesen war:

Das Internet ver­wäs­sert die Unter­schei­dung zwi­schen Rezi­pient und Medium. Die Unter­schei­dung zwi­schen ein­fa­chen Inter­ak­ti­ons­sys­temen, öffent­li­chen Ver­an­stal­tungen und Mas­sen­me­di­en­kom­mu­ni­ka­tion wird untergraben.

Am Abend zuvor wurde ich selbst Zeuge, wie sehr diese Unter­schei­dung an Bedeu­tung ver­loren hat & aus geringen Reich­weiten plötz­lich im Ver­hältnis gesehen große Öffent­lich­keiten ent­stehen können. Nach dem kleinen, aber äußerst amü­santen F*sting-Versprecher des ZDF-Sprechers Elmar Bartel rea­gierte das ZDF mit einer ent­spannten, sym­pa­thi­schen Stel­lung­nahme. Das fand ich so gut, dass ich den Link am frühen Don­nerstag Abend mit ent­spre­chendem Kom­mentar twitterte:

Tweet zur ZDF-Reaktion

Tweet zur ZDF-Reaktion

Gegen 23 Uhr nahm Djure den Link auf & setzte damit eine kleine ReTweet-Lawine in Gang. Inner­halb weniger Minuten gingen Link & (teils umge­schrie­bene) Stel­lung­nahme durchs Twit­ter­versum, wie fol­gende Grafik verdeutlicht:

Verbreitungswege via Twitter

Ver­brei­tungs­wege via Twitter

Die addierten Fol­lo­wer­zahlen ergeben, dass prin­zi­piell über 24.300 Men­schen diesen Link sehen konnten. Rechnet man die Fol­lo­wer­dopp­lungen heraus, so bleiben ca. 12.000 16.968 poten­ti­elle Emp­fänger. Der Link hatte zudem über 28.000 Impres­sions, wie ich dank Ger­rits Tipp zu tweetreach.com fest­stellen konnte. Mit (zum Schreib­zeit­punkt) 1.248 Klicks auf den bit.ly-Link hätten somit knapp 10% 7% der Emp­fänger den Link ange­schaut. Die späte Uhr­zeit mit ein­ge­rechnet ist das (natür­lich in keiner Weise inten­dierte) Ergebnis wirk­lich sehens­wert – zumin­dest dürfte jeder E-Mail-Marketer bei sol­chen „Con­ver­sion Rates” feuchte Augen bekommen…

Natür­lich ist das nur ein sehr kleines Bei­spiel. Doch es ver­deut­licht gut, wie rele­vante Inhalte bei ent­spre­chender Auf­be­rei­tung und Ein­ord­nung in kür­zester Zeit in eine recht breite Öffent­lich­keit getragen werden können. Es gab in den letzten Monaten zudem weitaus umfang– und fol­gen­rei­chere Fälle von „Instant Publicity”:

Gründe für den „Erfolg” dieser Fälle sind meiner Mei­nung nach ange­mes­sene Ansprache des Themas, hohe Inte­grität & Akzep­tanz des ursprüng­li­chen Sen­ders sowie (bis auf Abmahnungs-Mobs…) eine gehö­rige Por­tion Zufall. Das macht diesen Effekt für Unter­nehmen & sons­tige Inter­es­senten (glück­li­cher­weise? leider?) größ­ten­teils unplanbar – was wieder einmal den Ver­lust der all­um­fas­senden Kon­trolle ein­zelner Akteure ver­deut­licht. Die Angst vor diesem Kon­troll­ver­lust schien auch bei vielen Autoren der in der Prü­fung behan­delten Texte durch, die (vor ca. 10 Jahren!) bei weitem nicht die Aus­wir­kungen des Inter­nets auf beste­hende (Macht-)Verhältnisse in den Medien anti­zi­pierten. Für mich lässt die Ent­wick­lung einen wich­tigen Schluss zu:

Embrace the chaos!

Die beständig sum­menden Boxcar-Benachrichtigungen waren jeden­falls ein netter Zeit­ver­treib :)

10.10.09

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