Herr Bertling.

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Blogger Relations – die Schere zwischen Beruf & Privatleben…

Chris­tian Böl­ling wun­dert sich (zu Recht!) über einige Fragen aus dem aktu­ellen PR-Barometer des PR-Journals. Seine Gedanken haben mich dar­über ins Grü­beln gebracht, wie ich mit lang­fristig zu anderen Blog­gern auf­ge­bauten Bezie­hungen umgehen soll…

Zunächst einmal muss ich große Zustim­mung zu Chris­tians Aus­sagen äußern. Ich fand die Fragen auch befremd­lich, er liegt voll­kommen richtig, wenn er schreibt:

… das wäre näm­lich die aller­erste Auf­gabe der PR: Bezie­hungen zu den rele­vanten Ziel­gruppen auf­zu­bauen. Erst danach geht es um Tools. Leider haben das viele noch nicht verstanden.

Aller­dings frage ich mich in letzter Zeit zuneh­mend: Wel­cher Kunde bezahlt mich denn dafür, dass ich mit anderen Blog­gern (höchst­wahr­schein­lich nicht „ziel­ge­richtet”) spreche? Also eben jen­seits aller vom Kunden vor­ge­ge­benen „Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ziele” etc. Fehlt dort nicht das Ver­ständnis für diese Art von Bezie­hung? Wie recht­fer­tige ich dann einen ent­spre­chenden Over­head, den diese Arbeit verursacht?

Ein großer Unter­schied ist für mich: Kon­takt auf pro­fes­sio­neller Ebene mit Jour­na­listen vs. Kon­takt mit Blog­gern, deren Blogs ich schon lange lese, die ich viel­leicht sogar kenne. Ich will auch Jour­na­listen nicht „vor einen Karren spannen” – da sich dieser Kon­takt aber zumeist auf pro­fes­sio­neller Ebene abspielt, stört es mich da nicht, auch mal Dinge anzu­bieten, von denen ich nicht hun­dert­pro­zentig über­zeugt bin. Denn seien wir ehr­lich: Wer ist das schon immer & überall? Einem mir bekannten Blogger gegen­über würde mir sowas aber schwer fallen.

Ver­steht mich nicht falsch: Mir ist sehr am Aus­tausch gelegen – ich blogge selbst, bin eif­riger BarCamp-Besucher und gehe sowas nicht mit Pro­fit­denken an. Mir fällt es nur an genau diesem Punkt schwer, die nötige Basis (also das, was ich bisher eigent­lich in meiner Frei­zeit getan habe: Blogs lesen, kom­men­tieren, bloggen, sich aus­tau­schen, auch absei­tige / nicht Kunden-relevante Themen zu dis­ku­tieren) als Leis­tung an einen Kunden zu ver­kaufen. Das übri­gens aus bei­derlei Sicht: Wel­cher Kunde hat dafür Ver­ständnis? Und vor allem: Will ich diese lang­fristig auf­ge­bauten Bezie­hungen plötz­lich als Mög­lich­keit, Geld zu ver­dienen, aus­nutzen? Mit Sicher­heit nicht.

Nun stehe ich zur Zeit am Beginn meiner Arbeit in einer PR-Agentur – und merke jetzt schon, dass ich für das Bezie­hungs­ma­nag­ment (sprich: die PR ;) ) einen großen Teil per­sön­li­cher Repu­ta­tion einbringe(n muss). Das macht mir ein wenig Sorgen, da ich in der Tat „Angst” davor habe, Leute durch tat­säch­lich ernst und nett gemeinte, wohl­über­legte Anfragen zu ver­prellen. Natür­lich gehört zum Bezie­hungs­ma­nage­ment dazu, dass ich mein per­sön­li­ches Netz­werk in die Arbeit ein­bringe. So funk­tio­niert es schließ­lich auch in der klas­si­schen PR (Stich­wort: Quer­ein­steiger Jour­na­list). Den­noch frage ich mich zur Zeit, wie & ob ich per­sön­liche von beruf­li­chen Kon­takten trennen soll. Und dar­über hinaus: Wie ich mich ver­halten soll, wenn es zu einer Ver­mi­schung dieser Kon­takte kommt.

Sind das nor­male Bedenken eines Berufs­ein­stei­gers? Oder liegt ein großer Denk­fehler in meinen Über­le­gungen? Über Erfah­rungs­be­richte, Ideen und Anmer­kungen würde ich mich sehr freuen!

16.07.10

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