Herr Bertling.

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Offener Brief eines Vaters an Ursula von der Leyen & Kristina Schröder

Jörg Kahle lebt mit Frau und Kind in Frei­sing bei Mün­chen. In einem offenen Brief an die Minis­te­rinnen von der Leyen und Schröder zeigt er auf, mit wel­chen Pro­blemen die Familie zu kämpfen hat. Beide Eltern sind berufs­tätig, mit stark unter­schied­li­chen Arbeits­zeiten. Bei seiner Tochter wurde das Down-Syndrom dia­gnos­ti­ziert, so dass sie auf Betreuung ange­wiesen ist. Wie eine solche Situa­tion ihn zu der Aus­sage führt, die Familie könne mit Hartz IV besser leben als berufs­tätig zu sein, schil­dert der Brief ein­drucks­voll – nach dem Klick.

Ich bin ehr­lich gesagt mehr als frus­triert, wütend trifft es eher, über dieses kran­kende System. Mein erster Gedanke war, die neue Arbeits­stelle wieder abzu­sagen. Zwar müssen wir mit dem Arbeits­lo­sen­geld den Gürtel momentan etwas enger schnallen, aber bis zum Sep­tember kämen wir schon hin. Im Zwei­fels­fall beziehen wir ab November 2010 Hartz4. Gerade in der momen­tanen poli­ti­schen Situa­tion und Dis­kus­sion würde es uns als Hartz4 Emp­fänger deut­lich besser gehen. Alles würde bezahlt und wir könnten uns den ganzen Tag um unsere Maus küm­mern. Das Schlimmste für uns wäre der Umzug in eine andere Woh­nung, aber ich denke auch bei diesem würde uns das Amt unter­stützen.
Ist das in Ihrem Sinne?

[…]

Wieso wird auf meine behin­derte Tochter eine Scha­blone gelegt, die ent­scheidet, dass sie vier (VIER!!!) Plätze benö­tigt? Warum erhalte ich keine Chance, zumin­dest mal mit meiner Tochter in einer Ein­rich­tung vor­stellig zu werden, damit dann ent­schieden werden kann ob eine Betreuung mög­lich sei oder nicht und wie hoch der Auf­wand tat­säch­lich wäre?

Ich möchte an dieser Stelle nicht hören, wie schlecht es woan­ders ist, das weiß ich selbst. Viel­mehr möchte ich gern hören wie uns geholfen werden kann. Den ersten Schritt haben wir getan und sind zu Ihren Ver­tre­tern in ein Amt gegangen. Dort konnte man uns auf­grund gesetz­li­cher Rege­lungen nicht unterstützen.

Jetzt frage ich Sie beide, wie wir uns als Familie in dieses System ein­bringen und etwas dafür tun können. Ich war immer in dem Glauben, eine Hand wäscht die andere. So bin ich selbst enga­giert und als Trainer in einem gemein­nüt­zigem Sport­verein tätig. Ich mache dies, weil ich es möchte und damit Kinder eine Auf­gabe haben, sich bewegen und nicht auf der Straße rum­hängen und Blöd­sinn machen.

Man darf gespannt abwarten, ob – und wenn ja, wie – die Minis­te­rinnen reagieren.

18.02.10

Politik