Herr Bertling.

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Eine Personen-, keine Parteienwahl.

Im Jahr 2004 wurde in meiner Hei­mat­ge­meinde Twist ein neuer Bür­ger­meister gewählt. Als Kan­di­daten standen zwei Ver­treter zur Ver­fü­gung – der gerade im Orts­kern eher unbe­kannte CDU-Vertreter Rein­hard Ahlers sowie Ernst Schmitz als unab­hä­ni­giger Einzelkandidat.

Ich erin­nere mich noch gut daran, dass Rein­hard Ahlers von vielen Leuten als poli­ti­scher Zieh­sohn des lang­jäh­rigen Bür­ger­meis­ters aus dem dezen­tral gele­genen Orts­teil Schö­ninghs­dorf ange­sehen wurde. Ernst Schmitz hin­gegen reprä­sen­tierte die beiden bevöl­ke­rungs­stärksten Orts­teile sowie den dazwi­schen gele­genen Orts­teil Twist-Mitte, wo er seit etli­chen Jahren als Ver­wal­tungs­be­amter im Rat­haus tätig war. Er war im Ort bekannt & enga­gierte sich zudem in diversen Vereinen.

Die dama­lige CDU-Spitze ging offenbar davon aus, dass sie ihren Kan­di­daten durch die seit Jahr & Tag vor­herr­schende CDU-Übermacht im Ort durch­drü­cken könnte. Was sie jedoch offenbar nicht ver­standen hatte: Die Bür­ger­meis­ter­wahl war für die Orts­be­wohner keine Parteien-, son­dern eine Per­so­nen­wahl. Ernst Schmitz als all­seits akzep­tierter Mit­bürger ent­hielt dem­ent­spre­chend große Unter­stüt­zung und wurde mit über 70 Pro­zent der Stimmen zum neuen Bür­ger­meister gewählt. Inzwi­schen ist er (wie zu erwarten war) in die CDU ein­ge­treten – aber das stört nie­manden. Er ist als Reprä­sen­tant der Gemeinde aner­kannt und beliebt – das war der ent­schei­dende Faktor.

Nun plant die CDU auf Bun­des­ebene, mit Chris­tian Wulff den nie­der­säch­si­schen Minis­ter­prä­si­denten in das Amt des Bun­des­prä­si­denten zu hieven. Die SPD und die Grünen haben hin­gegen Joa­chim Gauck als Gegen­kan­di­daten nomi­niert. Gegen den CDU-Kandidaten regt sich an vielen Stellen Wider­stand, wäh­rend Joa­chim Gauck sowohl in der Onli­ne­welt als auch in den Print­me­dien große Unter­stüt­zung erfährt.

Es mag lächer­lich klingen, aber ich sehe in diesem Vor­gang viele Par­al­lelen zur Bür­ger­meis­ter­wahl in meinem 10.000-Seelen-Heimatort. Wäh­rend in der CDU offen­sicht­li­ches Partei– und Pos­ten­ge­scha­chere statt­findet, stellen Bürger & Medien in den Vor­der­grund, wie wichtig eine das Land reprä­sen­tie­rende Person auf diesem Posten ist. Dass Gauck dafür ange­sichts seiner Lebens­ge­schichte der bes­sere Kan­didat als Wulff scheint, steht bei vielen außer Frage. Ich sehe das ebenso, wes­halb auch ich die Wahl Joa­chim Gaucks zum Bun­des­prä­si­denten unter­stützen möchte.

Willst du das auch? Dann besuche doch Wir für Gauck und trage dich in die Unter­stütz­er­liste ein!

Ach ja: Nach der fatalen Wahl­nie­der­lage des CDU-Kandidaten bei der Twister Bür­ger­meis­ter­wahl ließ sich die dama­lige CDU-Vorsitzende zu der Aus­sage hin­reißen, der Wähler habe die Wich­tig­keit der Wahl nicht ver­standen. Dass exakt das Gegen­teil der Fall war, konnte sie nicht nur an etli­chen wütenden Leser­briefen erkennen – son­dern auch an ihrer bal­digen Ablö­sung als Vor­sit­zende des Ortsverbandes.

Aber soweit wollen wir die Gedan­ken­spiele mal nicht wei­ter­treiben ;)

06.06.10

Politik