Herr Bertling.

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Der „Steigbügel” Kinderpornographie

Der schwe­di­sche Pirat im Euro­pa­par­la­ment, Chris­tian Engs­tröm, berichtet über das Vor­gehen der Film– & Musik­in­dus­trie in Däne­mark, die über den „Steig­bügel” (ja, ich könnte kotzen, aber genau so erscheint mir das Thema in diesem Zusam­men­hang) Kin­der­por­no­gra­phie eine effek­tive Zen­surin­fra­struktur gegen File­sharer etc. auf­bauen. Zitat von Johan Schlüter:

„Child por­no­graphy is great. It is great because poli­ti­cians under­stand child por­no­graphy. By playing that card, we can get them to act, and start blo­cking sites. And once they have done that, we can get them to start blo­cking file sharing sites.”

Engs­tröm beschreibt anschlie­ßend das geplante Vor­gehen der Industrie:

Start with child porn, which ever­y­body agrees is revol­ting, and find some poli­ti­cians who want to appear like they are doing some­thing. Never mind that the blo­cking as such is ridi­cu­lously easy to cir­cum­vent in less than 10 seconds. The pur­pose at this stage is only to get the poli­ti­cians and the general public to accept the prin­ciple that cen­sor­ship in the form of ”fil­ters” is okay. Once that prin­ciple has been esta­blished, it is easy to extend it to other areas, such as illegal file sharing. And once cen­sor­ship of the Internet has been accepted in prin­ciple, they can start loo­king at ways to make it more tech­ni­cally dif­fi­cult to circumvent. […]

The big film and record com­pa­nies want cen­sor­ship of the net, and they are per­fectly wil­ling to cyni­cally use child porn as an excuse to get it. All they needed was a poli­ti­cian who was pre­pared to do their bid­ding, wit­hout spen­ding too much effort on che­cking facts, or reflec­ting on the wisdom of intro­du­cing cen­sor­ship on the net.

Unfor­t­u­na­tely they found one in the newly appointed Swe­dish EU com­mis­sioner Cecilia Malm­ström. In March 2010 she pre­sented an EU direc­tive to intro­duce fil­te­ring of the net, exactly along to the lines that Johan Schlüter was advo­ca­ting in his speech at the seminar in 2007.

Sehr zynisch finde ich, dass das hier für den realen Ernst­fall beschrieben Vor­gehen quasi exakt dem ent­spricht, das im völlig iro­nisch gemeinten Video zum Cle­an­ternet auf­ge­zeigt wird:

(DirektSau­ber­ma­cher)

Man kann es nicht oft genug betonen: Auch wenn die Lösung simpel erscheint und scheinbar auf einen Schlag alle Pro­bleme mit Kin­der­por­no­gra­phie im Netz lösen soll – sie ver­deckt die Ver­bre­chen, hilft den Opfern nicht weiter und steht viel­mehr für aktiven Täter­schutz. Das oft ange­führte Argu­ment, die Inhalte lägen in Staaten, mit denen ein schneller Aus­tausch & die schnelle Ent­fer­nung der Dateien sowie Täter­ver­fol­gung nicht mög­lich sei, ist schlichtweg gelogen.

Der­weil ent­blödet sich der deut­sche Innen­mi­nister Thomas de Mai­zière bei der taz, wieder für Netz­sperren zu plädieren:

De Mai­zière hatte sich im Gespräch mit der taz dafür aus­ge­spro­chen, sowohl das Löschen als auch das Sperren von kin­der­por­no­gra­fi­schen Seiten im Netz zu ermög­li­chen. Das Argu­ment von Kri­ti­kern, durch eine Sperr­liste werde eine Zen­surin­fra­struktur geschaffen, wies er zurück.

Fehlen darf dabei natür­lich auch nicht der Klas­siker für beun­ru­higte Bürger:

Das Internet dürfe kein „rechts­freier Raum” sein.

Auch wenn es langsam ob der Ver­bort­heit & Igno­ranz vieler Poli­tiker wirk­lich keinen Spaß mehr macht: Wir™ dürfen nicht auf­hören, mit den ver­füg­baren, aus­ge­reiften Argu­menten an jedem Ort, mit jedem Poli­tiker & jedem Bürger das Gespräch zu suchen. Drüber schreiben, drüber spre­chen, Leute mit dem Thema konfrontieren.

Sol­chen per­fiden Vor­ge­hens­weisen wie oben beschrieben möchte zumin­dest ich mich nicht wider­standslos ergeben.

27.04.10

Politik