Das Netz ist kein Babysitter.
Bei der FAZ beschreibt Constanze Kurz prägnant, welche Probleme sich aus der Übertragung einer Röhrenradio-Weltsicht auf das Internet ergeben. Sie greift dabei auch einen mir wichtigen Punkt auf, den ich als zentral für die Debatte erachte:
Wir müssen uns angesichts des kontrollwütigen Grundtenors des Vertragswerks aber auch als Gesellschaft Fragen stellen: Können und sollen Anbieter von Internet-Dienstleistungen elterliche Pflichten übernehmen? Ist es nicht ein Armutszeugnis, Aufsichts– und Erziehungspflichten im digitalen Raum an den Staat delegieren zu wollen? Früher gab es einen Schlüssel für den Fernseherschrank und mit dem Sandmännchen einen definierten Zeitpunkt zum Ausschalten des Gerätes. Heute erledigen die Erziehung nur noch die Schule und der Staat? Das Netz ist eben kein Babysitter.
Wie ich neulich schon geschrieben habe:
Eltern müssen stärker in die Verantwortung genommen werden – letztendlich tragen sie die Verantwortung für den Medienkonsum ihrer Kinder.
Mal schauen, wie lange die Politik benötigt, um zu dieser Einsicht zu gelangen. Denn eines sollte mittlerweile klar sein: Wenn man die mannigfaltigen Probleme, die das Internet für Staat, Gesellschaft und Politik mitbringt, lösen möchte, sollte man nicht auf der technischen Ebene, sondern vielmehr auf sozialer Ebene ansetzen. Da verhält es sich ähnlich wie bei den berüchtigten DAUs: Meistens sitzt das Problem 60 cm vor dem Bildschirm…
