Rückblick auf das BarCamp Ruhr 3 (#bcruhr3)
Am vergangenen Wochenende fand das BarCampRuhr zum dritten Mal im Unperfekthaus in Essen statt. Ein kleiner (naja…) Rückblick.
Wie bereits in den Vorjahren war ich auch dieses Jahr wieder in Essen beim BarCampRuhr – das war mein damals erstes BarCamp & ist bis jetzt auch immer noch mein Lieblingsbarcamp. Die Location, das Unperfekthaus, war wieder mal sensationell – leider war aber in diesem Jahr die Dachterasse gesperrt, so dass man beim guten Wetter am Samstag nur im Haus bleiben konnte. Einige Räume wandelten sich auch leider schnell in eine Angezogen-Sauna. Dennoch: Das Haus ist für ein BarCamp einfach perfekt geeignet.
Da der Bericht etwas ausufernd geworden ist, hier mal die Shortcuts zu den einzelnen Session-Berichten:
- Blogger und PRler
- Wie misst man eigentlich den Erfolg von Social Media?
- Android Erfahrungsbericht
- Chatroulette
- PR-Sprechstunde
- Unternehmensgründung ohne Geld
- Fazit
Bemerkenswert fand ich, dass ich in diesem Jahr weniger Wert auf die Sessions an sich, sondern vielmehr auf die Gepräche drumherum gelegt habe. Am Sonntag saß ich daher knappe eineinhalb Stunden im Raum „Essen” in einer lustigen Runde mit Sam, Hasan, Ralf-Jürgen (herzlichen Dank für die Idee mit der E-Mail-Adresse!) und anderen, was letztendlich darin endete, dass auch uns der obligatorische 30-Minuten-Gong-Zettel vorgehalten wurde
Die Sessions
Dennoch habe ich natürlich auch etliche Sessions besucht, die kurz zusammenfassen möchte:
Blogger und PRler
In der Session diskutierten knapp 30 Leute im dafür beinahe zu kleinen Raum Castrop-Rauxel. Tapio Liller nahm das nur intern beim DRPR in Ausarbeitung befindliche Paper zum Verhalten von Bloggern & PRlern zum Anlass, um dieses Verhältnis sowie eine notwendige Transparenz auf beiden Seiten zu skizzieren (und hatte bereits im Vorfeld über die Ausrichtung der Session geschrieben).
Ich möchte nicht die komplette Session nachvollziehen, sondern vielmehr die Gedanken, mit denen ich aus der Session rausgegangen bin, noch mal festhalten. Am Ende der Session waren sich alle relativ einig, dass sowohl PRler (sprich: Agenturen, Unternehmenskommunikatoren etc.) als auch Blogger bei jeglichen Aktionen, die zwischen ihnen laufen, für transparente Verhältnisse sorgen sollen. Ich hatte mich in der Session dafür ausgesprochen, in diesem Fall eher die PRler in die Pflicht zu nehmen – und sehe das auch immer noch so.
Bereits beim Versuch, die Blogger in Kategorien einzuteilen (Journalistische Blogger, bloggende Journalisten, private Blogger,…) wurde offensichtlich: Es ist kaum möglich, verlässliche Kategorien zu bestimmen, anhand derer man eine solche Einteilung vornehmen könnte. Dementsprechend sehe ich bereits dort ein gewaltiges Problem, eine wie auch immer geartete Transparenz-Richtlinie für Blogger durchzusetzen. Der Einzelfall ist meist so speziell, dass ein entsprechender Leitfaden zu generisch geraten würde – sprich als allgemeine Vereinbarung auf Makroebene zwar eine nette Sache wäre, in der Umsetzung auf Mikroebene aber schnell an Grenzen geführt werden dürfte.
Wer hingegen in einer PR-Agentur oder der Unternehmenskommunikation arbeitet, der tut dies – hoffentlich – als professioneller Dienstleister. Diesen Menschen unterstelle ich per se den Willen, zuverlässige, korrekte und gute Arbeit abzuliefern. Wenn diese nun Bloggern für etwaige Marketingaktionen etc. ansprechen, so finde ich es selbstverständlich, dabei auf Transparenz auf eigener Seite zu setzen und auch den Blogger ausdrücklich darauf hinzuweisen. Das ist sollte ein Qualitätsstandard in der Branche sein. Andere wären für mich:
- Ermitteln der Relevanz des Themas für den Blogger – warum sollte diese Person über mich / den Kunden schreiben?
- Ausführliche Recherche zum Blogger – wer soll da eigentlich über mich / den Kunden schreiben?
Eine entsprechende Selbstverpflichtung auf Seiten der PR macht daher für mich Sinn. Hier kann schließlich durchweg Professionalität (im Sinne von: Beruf. Nicht zwangsläufig im Sinne von „guter Arbeit”…) unterstellt werden. Richard äußert sich etwas krasser, geht aber in eine ähnliche Richtung.
Wie misst man eigentlich den Erfolg von Social Media?
Ganz ehrlich: Das frage ich mich (wie Michael Jendryschick) nach der Session auch
Es wurden zwar etliche interessante Zahlen vorgestellt, allerdings hatte die Session für mich keinen wirklichen Schluss… Da half auch leider die Ankündigung wenig, dass die Session vor allem Fragen stellen und entwickeln wollte – die waren mir letztendlich auch vorher halbwegs klar. Ein paar Lösungsansätze hätte ich daher ganz cool gefunden. Na ja, dennoch interessant, mal wieder etwas zum Thema zu hören. Folien & kurzes Fazit zur Session gibt es beim Vortragenden, Markus Kucborski.
Android Erfahrungsbericht
Oliver Ueberholz berichtete von seinen Erfahrungen mit dem G1 bzw. dem Handy-Betriebssystem Android. Da ich meinen iPhone-Vertrag gekündigt habe & gerade auf der Suche nach einem fähigen Nachfolger bin, kam mir dieses Thema sehr gelegen.
Kurz vor der Session hatte ich bereits von Carmen Hillebrand von Vodafone kurz das HTC Legend bekommen, das einen sehr soliden Eindruck machte (Ich finde es übrigens sehr praktisch, dass das Unternehmen auf diese Weise die Produkte sehr realitätsnah erfahrbar macht & dazu auf BarCamps Präsenz zeigt!) Knappe fünf Minuten genügten natürlich nicht für eine verlässliche Beurteilung des Betriebssystems etc. – da konnte der Bericht eines Heavy-Users wesentlich weiterhelfen.
Oliver zeigte, mit welchen Apps er am Tag so umgeht & wie er sein Handy in den Workflow integriert. Grandios war dabei seine Karte zum Kontaktabgleich zwischen allen möglichen Netzwerken, die in der Tat ein wenig an den Tokioer U-Bahnplan erinnerte… Er zeigte dann auch vor allem die Apps, die ihm im Berufsalltag bei der Organisation etc helfen und ging nicht großartig auf Spiele etc. ein – was ich sehr gut fand. Denn sein wir mal ehrlich: Mehr als die Hälfte der Programme (vor allem: Spiele), die ich auf dem iPhone habe, nutze ich kaum. Wichtig sind mir letztendlich:
- Facebook
- Kalender
- ein fähiger Browser
- ein vernünftiges Adressbuch
- ein GTD-Tool (Things oder dementsprechend ein Äquivalent)
- ein Tool, mit dem ich meine bei instapaper abgelegten Texte lesen kann (welches Sam nach kurzer Recherche auch entdeckt hat: InstaFetch)
Alles andere ist dann Kür, also nicht zwingend nötig. Schön ist bei Android natürlich, dass ich stets die Auswahl zwischen verschiedenen Anwendungen habe – und nicht wie beim iPhone in einigen Punkten auf bestimmte Apps festgelegt bin. Ein weiterer Pluspunkt war zudem die scheinbar super funktionierende Integration von last.fm – zwar nicht für den Workflow maßgeblich, aber ein guter Hinweis (ja, geht auch mit dem iPhone. Aber über Edge etwas… stockend
).
Sehr zufriedenstellend fand ich Olivers Aussage im Fazit zur Session:
„Ich kann mit Android alle wichtigen Dienste verlässlich nutzen, daher kann ich es nur empfehlen.”

Das HTC Legend.
Am Sonntag habe ich dann das HTC Legend für längere Zeit ausgeliehen und getestet. War vom Handling sehr gut, vor allem wahnsinnig schnell. Zudem greift die Facebook-Integration sehr schön, außerdem ist die Kamera für Handyverhältnisse (und bisherige iPhone-Erfahrungen) fantastisch. Zudem ein Riesenvorteil: Das Handy ist MacBookPro-mäßig aus einem Stück Alu gefräst – also dementsprechend stabil. Leider ist das Gerät exklusiv an Vodafone gebunden, die Verträge scheinen aber ganz ok zu sein. Daher ist das Handy momentan weit vorne, was die iPhone-Nachfolge angeht. Mal schauen, ob sich bis Ende Mai noch eine attraktive Alternative ergibt.
Chatroulette
Von Till & Sam hatte ich schon Berichte über die lustige Chatroulette-Runde beim BarCamp Nürnberg gehört. Dementsprechend gespannt war ich auf die spontan von Katti anberaumte Aktion – so wie ca. 70 – 80 weitere BarCamper. Ab jetzt keine Worte mehr, sondern Bewegtbild. Einfach nur göttlich.
Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Serienjunkies-Session ging es dann fix zurück nach Münster, schließlich spielten Jupiter Jones abends im Amp („Wir sind ja schließlich nicht Metallica” bei Youtube)
PR-Sprechstunde
Am Sonntag war ich erst um 13 Uhr in meiner ersten Session – Dr. Liller hatte im Yogaraum Castrop-Rauxel zur PR-Sprechstunde geladen. Bedingt durch die Mittagspause fläzten wir in extrem kleiner Runde in die Kissenecke & tauschten uns in Ruhe über das vorgehen von Unternehmen im Social Media Bereich aus. Ein sehr entspanntes Gespräch, das zwar nicht mit riesigem Erkenntnisgewinn, dafür aber mit dem Abgleich von Erwartungen, Einstellungen und Strategien aufwarten konnte. Hat mich sehr gefreut.
Unternehmensgründung ohne Geld
Leider bin ich in der letzten Session fast eingeschlafen. Eine Woche ULB ab 8 Uhr morgens, freitags & samstags abends noch raus und trotzdem beide Tage zum BarCamp waren dann doch recht anstrengend. Was ich aus der Session aber mitgenommen habe: Wenn man sich im Kernbereich ins Zeug legt & alles andere outsourced, dann kann man unfassbar effektiv sein eigenes Unternehmen aufbauen. Gerade Dienste wie ebüro scheinen da unheimlich hilfreich zu sein. Außerdem eine interessante Idee: Die Mieten an der spanischen Atlantikküste sind recht günstig, zudem spart man dort außerhalb der Wintermonate auch noch die Heizkosten…
Was ich mir noch gewünscht hätte: Kurz vor Beginn der Session habe ich auf dem Rechner des Moderators (ja, nicht Vortragender, was sehr angenehm war!) das kurze TED-Video zu „8 secrets of success” unter den geöffneten Fenstern entdeckt. Das wäre sicherlich für einige Teilnehmer noch eine schöne Inspiration gewesen. Daher hier noch mal kurz die drei lohnenden Minuten:
Fazit
Ich habe noch immer keine Session beim BarCampRuhr gehalten. Seltsam. Im Nachhinein fiel mir auch noch eine Sessionidee ein – kleine Spaßprojekte, über die man sich austauschen könnte. Mit dem „Bratwurstjournalismus” und der Fanpage für den Wochenmarkt Münster habe ich zwei Sachen, die eher nebenbei & aus reinem Spaß laufen. Wer solche Projekte unterhält, wie sie eingerichtet wurden & wie sie überhaupt angenommen werden – darüber würde ich gerne bei einem der nächsten Camps austauschen. Schauen wir mal…
Ansonsten gilt im Prinzip das, was auch in den Vorjahren zum BarCampRuhr zu sagen ist: Es war wieder einmal wahnsinnig gut. Wenn ich auch – wie oben erwähnt – in diesem Jahr weniger „sessionfixiert” war als in den Vorjahren, so hat es doch absolut Spaß gemacht, sich mit vielen neuen Leuten, aber auch mit alten Bekannten in so lockerer Atmosphäre auszutauschen.
Mein herzlichster Dank geht daher an den Hauptorganisator Stefan Evertz – ich freue mich schon auf’s nächste Jahr!



