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Hyperlokale Blogs – Was benötigt man eigentlich?

Hyper­lo­kale Blogs sind – glaubt man z.B. dem Journalismus-Professor Jeff Jarvis – die Zukunft des Jour­na­lismus. Erste Ver­suche in diese Rich­tung gibt es in Deutsch­land bereits, mir direkt bekannt sind etwa das Heddesheim-Blog von Hardy Proth­mann oder das Var­el­blog von Djure Meinen. Die Beschäf­ti­gung mit diesem Thema hat mich dazu ange­regt, die Kosten eines hyper­lo­kalen Blogs durchzurechnen.

Zunächst benö­tigt ein Lokal­blog – wie jede Zei­tung, Zeit­schrift etc. auch – natür­lich Zeit, die durch eine durch­gän­gige lokale Bericht­er­stat­tung, die Anzei­gen­ak­quise oder auch die Bear­bei­tung von Kom­men­taren etc. ver­schlungen wird. Abge­sehen davon ist eine Grund­aus­stat­tung an tech­ni­schen Geräten nötig. Zudem sollte eine schlüs­sige Ver­brei­tungs­in­fra­struktur auf­ge­baut werden.

Die tech­ni­sche Grundausstattung

  • Wer eine Web­seite ein­richten möchte, benö­tigt zu aller­erst natür­lich eine URL & dazu auch Spei­cher­platz im Web, sprich: Ein Webhosting-Paket. Dazu gibt es diverse Anbieter, ich nutze z.B. goneo. Wich­tige Punkte sind: Daten­bank (MySQL), skript­fä­higer Server (PHP), genü­gend Spei­cher­platz, E-Mail-Postfächer und im Ide­al­fall min­des­tens eine Domain inklu­sive. Die Preise unter­scheiden sich von Anbieter zu Anbieter kaum bzw. nicht in nen­nens­werter Höhe. Dort wird man also schnell fündig. Kosten (hier Preise von goneo, Paket Home­page Easy): Ein­rich­tung ein­malig 9 €, Hos­ting 2 € / Monat ab 3. Monat = 27 € im ersten Jahr, 24 € anschlie­ßend.
  • Die Seite benö­tigt eine Platt­form, sprich ein Redak­tions– bzw. Content-Management-System. Mit Abstand am ein­fachsten ein­zu­richten ist dabei wohl Word­Press, das auch ein Laie mit geringer Ein­ar­bei­tungs­zeit instal­lieren kann. In den sel­tensten Fällen wird eine Community-Seite nötig sein, für die das System der Wahl wohl Drupal wäre – schließ­lich nutzt sogar das Weiße Haus dieses CMS ;) Dann wird es aller­dings schon weitaus kom­pli­zierter, das System mit Rech­te­ver­gaben etc. zu kon­fi­gu­rieren. Bei goneo lassen sich per „Click­Start” übri­gens direkt diverse Redak­ti­ons­sys­teme pro­blemlos aus der Account-Verwaltung instal­lieren, so dass kaum mehr tech­ni­sches Wissen benö­tigt wird. Defi­ni­tiver Start­punkt ist in meinen Augen: Word­Press. Kosten: 0 €.
  • Ein ver­nünf­tiges Tem­plate. Ich gehe jetzt mal von Word­Press aus – da ist der Markt für freie Tem­plates riesig. Not­falls ent­scheidet man sich für ein etwas pro­fes­sio­nel­leres Theme & bezahlt dafür. Wenn es etwas Magazin-artiges werden soll, wird man zwar schnell fündig. Aller­dings benö­tigen etliche Themes – da meist für den Gebrauch auf Eng­lisch ein­ge­richtet – noch einige Anpas­sungen. Ein fähiger Web­master sollte das vor­nehmen können. Bisher ist mir kein Magazin-Template bekannt, das solche Anpas­sungen über eine ein­fache Optionen-Seite löst. Mein Traum-Template wäre cle­vere Farb­co­die­rung für ein­zelne Ressorts/Kategorien auf Basis der CSS-Vorlage Typo­gridphy. Kosten: Ver­mut­lich 0 €.
  • Zwei Kameras. Eine Foto­ka­mera, um bei Orts­ter­minen selbst Bilder machen zu können. Ich kenne mich nicht aus, aber scheinbar ist die Canon EOS 450D als digi­tale Spie­gel­re­flex­ka­mera nicht ver­kehrt. Zudem eine Video­ka­mera. Mitt­ler­weile ist es pro­blemlos mög­lich, Bewegt­bild am Rechner zu bear­beiten & anschlie­ßend im Netz zu ver­öf­fent­li­chen. Auch dort bin ich kein Profi, aller­dings scheint mit der Flip-Kamera eine so ein­fach zu hand­ha­bende Kamera auf dem Markt zu sein, dass die Aus­wahl leicht fallen dürfte. Kosten: Foto­ka­mera 500 €, Video­ka­mera 170 € (Amazon)
  • Ein pas­sender Rechner. Ich plä­diere dabei (natür­lich…) für einen Mac. Nicht, weil even­tu­elle Auf­gaben auf einem Win­dows– oder Linux-Rechner unmög­lich wären. Auch dort sind pas­sende Pro­gramme ver­fügbar etc. – aller­dings ist die Medi­en­be­ar­bei­tung auf dem Mac extrem ein­fach. Zudem gibt es kaum Pro­bleme, den Rechner stabil laufen zu lassen, die ein­zelnen Sys­tem­kom­po­nenten (Hard­ware wie Soft­ware) greifen per­fekt inein­ander. Die Aus­wahl ist aber natür­lich jedem selbst über­lassen. Kosten: Gehen wir von einem Mac­Book Pro 15″ aus, also 1.600 €.
  • Ein Smart­phone, um auch unter­wegs erreichbar zu sein – online wie tele­fo­nisch. Nehmen wir das iPhone, so liegt der Com­plete M Tarif bei ca. 60 € im Monat. Das dürfte im Nor­mal­fall mit geringen Aus­rei­ßern nach oben genügen. Jah­res­kosten: 800 €.
  • Einen Telefon-/Internetanschluss für das Büro. Die Tarife für Geschäfts­kunden kenne ich leider kaum, gehe aber mal von 40 € monat­lich aus – also knapp 500 € im Jahr.

Preis­lich liegt die tech­ni­sche Aus­stat­tung damit bei ein­ma­ligen Aus­gaben von knapp 2.300 €. Rechnet man Zubehör, Kabel oder auch ein Mikrofon für Inter­views hinzu, landet man grob über­schlagen bei viel­leicht 3.000 €. Die Geräte haben in etwa eine Lebens­dauer von drei Jahren, so dass dann natür­lich die Neu­in­ves­ti­tion in diese Teile fällig wäre. Im lau­fenden Betrieb fallen dann neben Fahrt­kosten die Webhosting-Kosten von 24 € pro Jahr (!) an, zudem die Kosten für das Smart­phone. Somit liegen wir bei 3.000 € Start­kosten sowie jähr­lich grob 1.400 € an Hosting-/Telefonkosten.

Ver­brei­tung im Social Web

Die erzeugten Inhalte lassen sich über ver­schie­dene Platt­formen streuen. Dabei haben sich diverse Anbieter als Primus in ihrem Bereich her­aus­ge­stellt, so dass hier nur diese Erwäh­nung finden. Über sie gelingt es, neben der eigenen Seite zusätz­liche Reich­weite zu erzielen.

  • Fotos lassen sich über Flickr ein­fach hand­haben. Um in den vollen Genuss des Ser­vices (unli­mi­tierter Upload etc.) zu kommen, benö­tigt man einen Pro-Account, der mit knapp unter 20 € zu Buche schlägt. Für Flickr gibt es etliche WordPress-Plugins, so dass eine breite Aus­wahl die Inte­gra­tion in das Lokal­blog erheb­lich erleichtert.
  • Videos lassen sich über das all­seits bekannte YouTube einstellen/-binden. Der Ser­vice ist kos­tenlos, womit kei­nerlei Kosten anfallen. Wer grö­ßere Videos in einem schi­ckeren Umfeld – und bei inten­siver Nut­zung gegen Ent­gelt – prä­sen­tieren möchte, wird bei Vimeo fündig. Für den Start dürfte YouTube aller­dings völlig aus­rei­chend sein.
  • Kurze Teaser mit z.B. Über­schrift & Link des jewei­ligen Arti­kels lassen sich bei Twitter mit Hilfe ver­schie­dener WordPress-Plugins wie z.B. Twitter Tools auto­ma­ti­siert ein­speisen. Zudem kann der Dienst je nach Nut­zer­basis vor Ort auch zur wert­vollen Recher­che­quelle werden.
  • Um auch Leser jen­seits der eigenen Seite zu errei­chen, bietet sich Face­book an. Eine Fan­page ist schnell erstellt, auf der dann aktu­elle Bei­träge per RSS-Feed ein­ge­speist werden können. Nun können Fans des Lokal­blogs auch in ihrer gewohnten Umge­bung bei Face­book aktu­elle Nach­richten aus dem Lokal­blog erhalten.

Wie man sieht, lassen sich über zahl­reiche Kanäle Nutzer errei­chen. Sind diese erstmal ein­ge­richtet & werden regel­mäßig befüllt, so wird neben der eigent­li­chen Seite ein eigenes Netz­werk an Kon­takten über die Platt­formen gene­riert. Auch als Feedback-Kanäle sind alle vier Platt­formen wert­voll – wobei der Gehalt zwi­schen Face­book– & Youtube-Kommentar leider Gottes meist etwas abfällt ;)

Das alles kostet natür­lich Zeit, die bezahlt werden muss bzw. sollte – will man ein Lokal­blog nicht als reines Hobby betreiben. Über die Mög­lich­keiten der Gewinn­ge­ne­rie­rung für Lokal­blogs hat Marian Semm im vierten Teil seiner lesens­werten Serie „Lokal­zei­tung 2.0″ die wich­tigsten Punkte unter dem Titel „Die Öko­nomie des Orts­blogs” zusam­men­ge­fasst.

Nach­trag: Hardy Proth­mann weist in den Kom­men­taren auf wei­tere Anfor­de­rungen hin, die in diesem Bei­trag nicht auf­tau­chen. Bitte beachten!

Fazit

Mit der oben auf­ge­führten Aus­stat­tung – tech­nisch sowie in der Ver­net­zung – sollte das Vor­haben „Lokal­blog” auf weit­ge­hend sicheren Füßen stehen. Viel wich­tiger als all diese Grund­lagen sind letzt­end­lich natür­lich die Inhalte der Seite. Nur über diese können zufrieden stel­lende Wer­be­ein­nahmen (mit wel­chem Modell auch immer) gene­riert werden. Die kon­se­quente Nut­zung der zur Ver­fü­gung ste­henden Kanäle & Tools zur Pro­duk­tion der Inhalte dürfte diesem Vor­haben sehr ent­ge­gen­kommen. Stellt man Aus­gaben und Ein­nahmen gegen­über, so müsste die Rech­nung in bevöl­ke­rungs­starken Regionen eigent­lich auf­gehen. Oder habe ich in meinen Berech­nungen & Über­le­gungen etwas Ent­schei­dendes vergessen?

23.02.10

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