Abmahnung: RadioQ ohne Logo…
Gestern nachmittag hatte ich eine recht überraschende Mail von RadioQ, dem Campusradio für Münster & Steinfurt, in meinem Posteingang:
Es ist nun definitiv: Wir müssen unser Logo ändern. […] Deshalb möchten wir Sie bitten, das von Ihnen bisher benutzte Logo zu entfernen. Wir wissen, das kommt sehr kurzfristig, aber bitte versuchen Sie die Änderung noch heute, ansonsten so schnell wie möglich, umzusetzen. Außerdem lassen Sie es uns bitte wissen, sobald Sie das Logo entfernt haben.”
Das Logo war auf der (zur Zeit im Umbau befindlichen) Website von campus relations zu sehen. Ich habe es direkt entfernt. Und mich darüber gewundert, was denn da so plötzlich & panisch los war.
Heute morgen habe ich dann bei Daniel Fiene seinen Aufreger der Woche gefunden: Privatsender-Kette mahnt Campusradio ab – wie Radio WAF, Radio Gütersloh, Radio Bielefeld und co. auf den Nachwuchs pfeifen. Was Daniel (der früher auch bei RadioQ gearbeitet hat) dort beschreibt ist einfach unglaublichzumindest noch interessant:
Die Betriebsgesellschaften der sogenannten AMS-Sender in Ostwestfalen sehen in dem zu löschenden Logo von Radio Q eine Kopie der eigenen Senderlogos. Die Hörer von Radio Bielefeld, Radio Gütersloh, Radio Herford 94,9, Radio Hochstift, Radio WAF, Radio Westfalica und Radio Lippe könnten ja durcheinanderkommen.
Schon alleine die Abmahngebühren wurden so hoch angesetzt, dass Radio Q als ehrenamtlich geführter Verein hätte dicht machen können. Ihr könnt euch vorstellen, was für eine Aufregung seit Tagen im Sender herrscht.
Seinen Logovergleich möchte ich noch mal hier aufgreifen, da der das Ausmaß an Absurdität noch erhöht:

Das verbotene RadioQ-Logo

Das Logo von Radio WAF
Mal ganz ehrlich: Geht’s noch? Markenrecht hin oder her – ein ehrenamtlich engagierter studentischer Radiosender, der in anderen Gebieten sendet & daher sowohl in Sachen Erreichbarkeit, Reichweite und Werbepartner keinerlei Konkurrenz darstellt, darf nicht bei drei Buchstaben einen identischen Schrifttyp verwenden? Wie peinlich ist das bitte?
Die ams hat eine Stellungnahme abgegeben – zu finden drüben bei Daniel Fiene. Hört sich in diesem Licht betrachtet schon wesentlich anders an. Ärgerlich ist natürlich, dass wieder einmal ein Anwalt im Namen eines Unternehmens reagiert & dabei ohne Hintergründe zu überprüfen abmahnt. Ich kann den Anwalt verstehen: Das ist normale Praxis & daher auch in seinen Augen völlig legitim. Für mich steht viel mehr das deutsche Abmahnrecht in Frage – wenn man die Rechtsprechung eines Staates als so absurd und ungerecht empfindet, kann doch was nicht stimmen!?
Nach der Stellungnahme ist das Vorgehen im Allgemeinen verständlich – nur leider trifft es in diesem Fall schlicht die Falschen.
Wenn ich dazu allerdings noch den Kommentar von Stefan Musholt lese, so habe ich an den Aussagen der Stellungnahme doch (berechtigte?) Zweifel.
Da ich mich selbst drei Jahre aktiv bei der studentischen PR-Initiative campus relations ehrenamtlich engagiert habe, kann ich mir ungefähr vorstellen, wie sich sowas für Leute anfühlen muss, die aus Freude am Job zeitlichen Aufwand & sicherlich auch viel Herzblut in das Projekt investieren.
Immerhin wissen die bei RadioQ qualitativ gut ausgebildeten Nachwuchs-Radiomacher jetzt ja, bei welchen Sendern sie nicht anheuern werden.
Nachtrag: Radio Bielefeld twittert an Daniel Fiene:
Wir möchten niemanden schädigen! Die Sache lief auch anders ab als geschildert. Hätten uns bessere Recherche deinerseits gewünscht…
Daniel weist per Kommentar zurecht darauf hin, dass er als Blogger das Thema kommentiert hat & dementsprechend keiner Recherchepflicht unterliegt. Das darf ams zwar gerne fordern, kann sich aber bei Nichterfüllung nicht darüber beschweren. Willkommen in der Blogosphäre.
Auf der eigenen Facebook-Seite kommentiert Radio Bielefeld wie folgt:
3. Das Problem besteht zwischen ams (der Servicegesellschaft der Verlage für die Lokalradios!!!) und Radio Q. Radio Bielefeld hat damit nix zu tun, sondern wird ebenfalls von einem Verein (VG) geführt.
Wir beschäftigen sogar eine ehem. Mitarbeiterin von RadioQ, haben also überhaupt nix gegen RadioQ, in keinster Weise!
4. Unser ehrliches Statement hieß bereits: Auch wir kommunizieren lieber. Das Vorgehen halten wir für überzogen!
Und außerdem:
Problem letzte Woche längst gelöst, Einigung erzielt. Wir haben nichts gegen RadioQ, schon längst nicht seitens Redaktion! Trägerverein hat Plagiat eingeräumt, da Schrift eine Eigenentwicklung der Sender und nicht auf freien Markt erhältlich.Schadensersatzforderung gibt es nicht mehr, da keiner Campusradio schädigen will.
Ich kenne die Struktur hinter den Radiosendern nicht genau, aber da hat wohl eher die Servicegesellschaft Mist gebaut, den jetzt die Radiosender auf ihren Facebook-Fanseiten ausbaden müssen. Für die natürlich auch nicht schön & vor allem nicht gerechtfertigt… Aber das erklärt in meinen Augen nicht die doch recht panische Mail von Radio Q gestern.
Nachtrag II: Kleine Linkliste & ein Gerücht (!) über die Höhe der Abmahnung.