Herr Bertling.

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Selective Twitter fürs studiVZ – Eine Notlösung

Jeder halb­wegs aktive Twitter-Nutzer kennt ver­mut­lich die Beschwerden der Nicht-Twitterati, wenn man den Account mit Face­book oder dem stu­diVZ syn­chro­ni­siert. Bei Face­book gibt es glück­li­cher­weise die wun­der­bare App „Selec­tive Twitter”. Dadurch tau­chen nur die­je­nigen Tweets, die den Hashtag „#fb” ent­halten, auch bei Face­book auf. Das Rau­schen für nor­male Facebook-Nutzer wird ent­schieden dezi­miert, zudem spammt man nicht den Activity-Stream mit zusam­men­hangs­losen kryp­ti­schen Bot­schaften zu. Das ist beim stu­diVZ momentan in dieser Form nicht ohne wei­teres ein­stellbar. Des­halb habe ich mir eine kleine Not­lö­sung gebaut, die mit wenigen Hand­griffen rea­li­sierbar ist. Benö­tigt werden:

  • Ein zusätz­li­cher Twitter-Account zum vor­han­denen Account
  • Eine ange­passte Twittersuchanfrage
  • twitterfeed.com

Kurz nachdem das stu­diVZ die Mög­lich­keit eröffnet hat, den eigenen Twit­ter­ac­count mit dem haus­ei­genen Busch­funk zu syn­chro­ni­sieren, for­derten einige Leute (ich auch ;) ) eine Ein­stel­lung für den optio­nalen Hashtag „#vz”, eben wie bei Selec­tive Twitter für Face­book. Nach kurzer Zeit for­derte mein Bekann­ten­kreis übri­gens unbe­wusst ähn­li­ches, wun­derte sich, ob ich „den ganzen Tag nur den Busch­funk voll­schreibe” & war offen­sicht­lich genervt von den stän­digen Updates. Viele Tweets waren dabei aus dem Zusam­men­hang gerissen & für den nor­malen studiVZ-Nutzer völlig ver­wir­rend und nichts­sa­gend (erklärt denen mal Hash­tags :D ). Daher habe ich mir eine Not­lö­sung gebas­telt, die bis zur even­tu­ellen Imple­men­tie­rung eine halb­wegs okaye „Selec­tive Twitter”-Kopie darstellt.

Drei Schritte von Twitter zum Buschfunk

Zunächst sollte man einen zweiten Twit­ter­ac­count anlegen. Ich habe der Ein­fach­heit halber meinen Nick @jayzon277 um „_VZ” erwei­tert, also schlicht „@jayzon277_VZ” gewählt. Dieser Account muss nun mit dem stu­diVZ syn­chro­ni­siert werden – das erfolgt über den übli­chen Weg in den Ein­stel­lungen unter „Mein Account”. Natür­lich fehlen in diesem Account jetzt noch die ent­spre­chenden Inhalte.

Diese sollen natür­lich nur die eigenen Updates mit dem Hashtag „#vz” ent­halten. Daher begeben wir uns zunächst zur Twit­ter­suche, um eine pas­sende Such­an­frage anzu­geben. Diese muss lauten:

#vz from:[username] #vz from:@[username]

Update: Natür­lich ohne das @ – danke an den anonymen Kom­men­tator!

Natür­lich müsst ihr [user­name] durch euren jewei­ligen Nut­zer­namen ersetzen ;) In der rechten Sei­ten­leiste findet ihr dann denn RSS-Feed zu dieser Such­an­frage. Kopiert den Link per Rechts­klick => Link kopieren. Bei der Twit­ter­suche seid ihr jetzt erstmal fertig – lasst das Fenster zur Vor­sicht noch offen ;)

Mit dem Dienst twitterfeed.com lassen sich Twit­ter­ac­counts mit RSS-Feeds befüllen. Meldet euch mit dem für das stu­diVZ erstellten Account bei Twitter an. Zudem loggt ihr euch dann bei Twit­ter­feed ein (dazu gibt es eine Menge an OpenID-Möglichkeiten, alter­nativ erstellt ihr euch einen Account). Über den Button „Create New Feed” baut ihr einen neuen Feed (wer hätte das gedacht? ;) ). Das geht relativ leicht:

  • Per OAuth ver­bindet ihr Twit­ter­feed mit dem Extra-VZ-Account (daher solltet ihr euch mit eben diesem bei Twitter einloggen!)
  • In Step 2 gebt ihr dem Feed einen Namen & (viel wich­tiger!) gebt in das Feld „RSS Feed URL” den aus der Twit­ter­suche kopierten Link zum Such-RSS-Feed an. Lasst den Feed zur Vor­sicht über den „Test RSS Feed”-Button testen – dabei sollte im Prinzip alles glatt laufen.
  • Nun müssen noch einige Ein­stel­lungen in den „Advanced Options” vor­ge­nommen werden. Dazu hier ein Screenshot:
Die Advanced Options für den RSS-Such-Feed bei Twitterfeed

Die Advanced Options für den RSS-Such-Feed bei Twitterfeed

Die Option „Post Link” habe ich deak­ti­viert. Das führte dazu, dass das Ende des Tweets gekürzt und statt­dessen ein Link zum Ori­gi­naltweet gesetzt wurde, was natür­lich völlig unnötig und Platz rau­bend ist. Häu­fi­gere Updates als alle 30 Minuten lassen sich nicht ein­spielen. Das sollte aber genügen denke ich.

Wichtig ist die zudem die Ein­stel­lung bei „Post Con­tent”. Dort bitte nur „Title” aus­wählen, ansonsten wird der Tweet nach dem Muster „Inhalt: Inhalt” – also dop­pelt – aus­ge­geben. An dieser Stelle ein herz­li­ches Dank an @stelten für’s Testen.

Meine Tweets wurden bisher ständig im VZ-Account ver­dop­pelt (Bei­spiel). Meine Ver­mu­tung ist „Post Content”-Einstellung –scheinbar packt Twitter die ein­zelnen Tweets sowohl in den Titel als auch in die Descrip­tion. Hab das bei mir (aber im Screen­shot nicht ;) ) geän­dert, aber noch nicht getestet. Das Muster „Tweet: nochmal der Tweet” mit dem Dop­pel­punkt dazwi­schen deutet aber darauf hin, dass das der Knack­punkt ist. Sobald ich das raus habe oder jemand in den Kom­men­taren die Ver­mu­tung bestä­tigt, gebe ich ein kurzes Update!

Jetzt habt ihr eure Accounts so auf­ge­setzt, dass im Busch­funk nur noch Tweets mit dem Hashtag „#vz” auf­tau­chen sollten. Viel Spaß mit dieser Behelfsumleitung!

Clever reagieren statt abmahnen – Citroen kann’s

Auf einen Blog­bei­trag bei SegaPro, der behauptet, ein Citroën-Werbespot stehe mit dem Aus­bruch der Schwei­ne­grippe in Ver­bin­dung (und das nicht gerade sati­risch offen macht…) ant­wortet das Unter­nehmen in den Kom­men­taren:

Da wir diesen hüb­schen Bei­trag gerade zufällig ent­deckt haben, möchten wir alle Schwei­ne­fans beruhigen.

1. Der Wer­be­spot wurde nicht in Mexiko gedreht, son­dern in Süd­afrika. Dort gras­siert alles mög­liche, aber die neue Grippe ist nach unseren Infor­ma­tionen weniger ver­breitet als in Mexiko.

2. Pro­fes­sio­nelle Tier­trainer und Vete­ri­näre haben wäh­rend der Dreh­ar­beiten darauf geachtet, dass die Tiere nicht zuviel Stress litten. Sonst hätten die Vie­cher näm­lich nie das gemacht, was wir von ihnen wollten. Nur Men­schen funk­tio­nieren unter Stress eini­ger­maßen zuverlässig.

3. Als der neu­ar­tige Virus vom Stamme H1N1, Typ A, der zur­zeit von man­chen Leuten “Schwei­ne­grippe” genannt wird und von anderen lieber nicht, weil die Kote­letts ver­kaufen, waren unsere Schweine, abge­sehen davon, dass der Atlantik, der Äquator und noch so man­ches zwi­schen ihnen und dem Virus lag, bereits aus anderen Gründen aus dem Leben geschieden. Auch in Süd­afrika werden Schweine selten Rentner.

Also: die Story ist zwar nett erfunden, aber leider ziem­lich falsch. Und wir finden sie auch nicht lustig. Wir glauben, da muss ein echtes Schwein dahinter ste­cken. Mit zwei Beinen.Beste Grüße von Citroën.

Mit dieser Reak­tion zeigt Citroën beein­dru­ckend, wie man neben Abmah­nungen auch mit Blog­gern umgehen kann. Zum einen werden die Vor­würfe stich­haltig ent­kräftet, gleich­zeitig bleibt das Unter­nehmen äußerst sou­verän in der Ant­wort. Es wird deut­lich, wie ernst das Unter­nehmen die Vor­würfe behan­delt & vor allem, dass sie diese nicht so stehen lassen werden. Das Ganze wird dann mit einer kleinen Prise Humor soweit auf­ge­lo­ckert, dass die klare Ansage den­noch sym­pa­thisch bleibt.

Herz­li­chen Glück­wunsch, eine solche Reak­tion schaffen (leider) nur wenige Unternehmen.

(Gelesen bei meetnix, gefunden über @gigold)

Warum ich grün wähle.

Am kom­menden Wochen­ende steht die Bun­des­tags­wahl 2009 an. Die Ent­schei­dung, wen ich wählen soll, habe ich mir in diesem Jahr nicht leicht gemacht. Diverse Per­sonen in meinem Umfeld haben im Ent­schei­dungs­pro­zess Ein­fluss gehabt, ins­be­son­dere Leute aus meinem „Web2.0-Umfeld”. Neben den Piraten aus Münster (Till, Bas­tian, Ben­jamin) war gerade der Aus­tausch per Twitter mit (unter anderem) Henrik, Gerrit, Jens und Djure sehr inter­es­sant – soweit sie das auf der beengten Dis­kus­si­ons­fläche von 140 Zei­chen mög­lich war. Inspi­riert durch Hannes möchte ich meine Ent­schei­dung hier dar­legen, zur Dis­kus­sion stellen und viel­leicht auch andere dadurch inspi­rieren. Ich gehe die Par­teien mal durch:

Die CDU

Sym­bol­po­litik zum Wäh­ler­fang, eine unbe­lehr­bare Fami­li­en­mi­nis­terin. Ein Minis­ter­prä­si­dent, der wie­der­holt mit aus­län­der­feind­li­chen Äuße­rungen am rechten Rand auf Stim­men­fang geht. Trotz Atom­en­er­gie­aus­stieg in diesem Bereich weiter for­schen – mit hane­bü­chenen Begrün­dungen: Bewer­tung aus­län­di­scher Anlagen? WTF? Gene­rell finde ich diese Ein­stel­lung grau­en­haft. Nicht nur wird da offen gegen den beschlos­senen, fest­ste­henen Aus­stieg agiert und dabei mit Steu­er­gel­dern, siehe Gut­ten­berg, um sich geworfen. Dabei werden auch die der­zei­tigen mas­siven Pro­bleme offenbar nicht wahr­ge­nommen, die sich bei einer Ver­län­ge­rung (oder gar dem Ausbau!) der Atom­kraft­werks­lauf­zeiten noch ver­schlim­mern würden. Über­haupt mag ich die gene­relle Ein­stel­lung Neuem gegen­über nicht. Igno­rieren, beschränken, ver­hin­dern, ver­bieten. Und ich so: Ne!

Die SPD


(Direkt­Verrat)

Geht nicht, sorry. Das Ein­kni­cken in Sachen Netz­sperren ging mal gar nicht. Dass die SPD mitt­ler­weile zwi­schen CDU & der Linken zer­rieben wird, sich dabei mit beiden Seiten anlegt anlegen muss, ist bedau­er­lich. Ich bin gespannt, wie die SPD dieses unent­schie­dene „Irgendwie wollen wir ja die Mitte sein, aber doch auch links und jetzt ist ja die CDU die Mitte und die Linke halt links und wir stehen so doof dazwi­schen” lösen will. Ich jeden­falls so: TRALAFITTI oder was?

Die FDP

Auch wenn der JuLi-Spot echt witzig ist – „Frei­heit” heißt bei der FDP meinem Emp­finden nach immer viel zu sehr „Markt­frei­heit” und eben nicht „Frei­heit aller Bürger”. Beson­ders die Ant­worten zur Netz­po­litik sind mir dabei auf­ge­fallen. Gerade bei der Netz­neu­tra­lität blickt die Idee durch: „Wir über­lassen alles dem Markt, dann regelt sich das schon”. Dumm nur, dass ich dem Markt nicht im glei­chen Maße ver­traue wie die FDP… Wei­tere Pro­bleme: Die Zusage, nur mit der CDU in eine Koali­tion zu gehen. Das ist a) blöd und könnte b) richtig schön in die Hose gehen. Ypsilanti-Falle trifft es echt gut. Zudem fallen soziale Aspek­te­leider viel zu oft hinten rüber. Und außerdem mag ich Men­schen ohne Ori­en­tie­rungs­sinn in gewissen Fragen nicht so ganz.

Kleiner Ein­schub, ent­deckt bei kosmar@Facebook: Unfassbar, wie die drei bisher genannten Par­teien im Rahmen der Finanz­krise das Par­la­ment (und damit de facto den Bürger) ent­machtet haben. Diese Summe! Diese Ver­schleie­rung der Ver­wen­dung! Ich kann es noch nicht ganz fassen…

(DirektEnt­mün­di­gung)

Die Linke

Für eine Haus­ar­beit habe ich die Wahl­pro­gramme der Par­teien auf netz­po­li­ti­sche Themen hin durch­leuchtet. Dabei habe ich natür­lich auch das Pro­gramm der Linken ange­schaut. Es wurden in jedem Teil­be­reich irgendwie Sachen über Kapi­ta­lismus, ent­fes­selte Märkte & aus­ge­beu­tete Arbeiter geschrieben (na gut, viel­leicht nicht so krass mar­xis­tisch ;) ) und anschlie­ßend wurde fleißig gefor­dert. Dumm nur: Oft konnte ich keinen logi­schen Zusam­men­hang zwi­schen den Beschrei­bungen und den anschlie­ßenden For­de­rungen her­stellen. Zudem fehlten mir neben den Ver­bots­for­de­rungen meist alter­na­tive Vor­ge­hens­weisen. Klar, die Linke ist z.B. gegen Netz­sperren. Aber Alter­na­tiven zur Ver­bre­chens­be­kämp­fung im Netz – die ja gerade der Oppo­si­tion recht bekannt sein sollten, wenn sie sich mit dem Netz­sper­ren­ent­wurf aus­ein­an­der­ge­setzt hat – finden sich nicht. Auch ein schlüs­siges Wirt­schafts­kon­zept fehlt mir. Der „Reichtum für alle – Reichtum besteuern”-Scoop war ja lustig. Aber dann bin ich doch eher so yeahh.

Show­down: Piraten vs. Grüne

Dass es im End­ef­fekt auf diese beiden Par­teien hin­aus­läuft, war absehbar, oder? Volker Beck(s Büro) war so freund­lich, einen Ver­gleich zwi­schen den Posi­tionen der beiden auf­zu­stellen. Das ent­sprach so ziem­lich dem, was ich nach Lek­türe des Grünen-Programms auch schon ver­wun­dert bemerkt habe:

Wirklich schlüssige Antworten habe ich zu der Frage leider noch nicht bekommen…

Wirk­lich schlüs­sige Ant­worten habe ich zu der Frage leider noch nicht bekommen…

Ich bin mit einem Groß­teil der grünen Posi­tionen voll­kommen ein­ver­standen. Die Schaf­fung neuer Jobs im Bereich der rege­ne­ra­tiven Ener­gien scheint mir vor dem Hin­ter­grund öko­lo­gi­scher Moder­ni­sie­rung sinn­voll. Klar: Das ist nicht das All­heil­mittel um ganz Deutsch­land mit Arbeits­plätzen zu ver­sorgen. Mir gefällt aber der Ansatz, Inves­ti­tionen in fort­schritt­li­chen Berei­chen zu tätigen – nicht in umwelt­schäd­li­chen Berei­chen wie Kohle– oder Atom­en­ergie. Das sorgt nicht nur für neue Jobs. Die Erfah­rungen in diesem Bereich werden der deut­schen Wirt­schaft lang­fristig gut tun & sie zukunfts­fähig auf­stellen. Auch die Ideen für den Bil­dungs­be­reich, die Wirt­schafts­po­litik oder auch für die Fami­li­en­po­litik erscheinen mir sinn­voll und ver­nünftig. Vieles gilt für mich schlicht als logi­sche Schluss­fol­ge­rung zur Lösung der Pro­bleme, mit denen Deutsch­land zur Zeit kon­fron­tiert wird – und das mit in meinen Augen zeit­ge­mäßen Ant­worten, die die gege­benen Umstände berück­sich­tigen & nicht im roman­ti­schen Blick auf „Früher war alles besser” ver­su­chen, unauf­halt­bare Ent­wick­lungen zurückzudrehen.

Die Pira­ten­partei fand ich (trotz viel­fäl­tigem Gegen­wind & dem Talent für Fett­näpf­chen aller Art) stets äußerst attraktiv. Beson­ders die Begeis­te­rung, mit der die meist jungen Mit­glieder bei der Sache sind, habe ich so nie zuvor bei einer poli­ti­schen Partei erlebt. Den Mut, sich inhalt­lich nicht zu allen Pro­blem­fel­dern zu äußern bewun­dere ich. Dieses offene Bekenntnis, nicht für sämt­liche Pro­bleme Lösungen in der Hin­ter­hand zu haben, würde anderen Par­teien auch gut stehen. Dafür sind die besetzten Bereiche kom­pe­tent mit Inhalten gefüllt, mit denen ich größ­ten­teils ein­ver­standen bin. Auch das rasante Wachstum sowie die mitt­ler­weile recht breite Aner­ken­nung der Partei spre­chen für sich. Doch im End­ef­fekt möchte ich nicht, dass mich eine Partei über vier Jahre mit unvoll­stän­digen Posi­tionen in für mich wich­tigen Berei­chen vertritt.

Mir gefällt übri­gens die Idee, die Piraten seien die „jün­geren Geschwister” der Grünen. Im poli­ti­schen Alltag müssen diese Geschwister aber leider noch eine Menge lernen – die gele­gent­li­chen Fett­näpf­chen kann ich da sogar ver­zeihen, sowas kann bei einer wach­senden Partei im Fin­dungs­pro­zess pas­sieren – und pas­siert auch oft genug erfah­renen Poli­ti­kern. Dass diese Vor­fälle ent­spre­chend scharf kom­men­tiert werden (gerade von Seiten eta­blierter Par­teien) ist wohl auch mit einer gehö­rigen Por­tion Ver­wun­de­rung den Piraten gegen­über zu begründen. Was ich mir auf jeden Fall wün­sche: Dass Bas­tians Gedanken zur Kri­tik­fä­hig­keit der Partei Anklang finden & auch umge­setzt werden. Sonst wird der Online-Mob auf Dauer zu einem ernst­haften Repu­ta­ti­ons­pro­blem. Mit über­zeu­genden Posi­tionen in den Berei­chen Wirt­schaft & Umwelt würde meine Ent­schei­dung anders – näm­lich pro Piraten – aus­fallen. Aber ohne kon­kret aus­ge­ar­bei­tete Posi­tionen in Wirt­schafts– und Umwelt­po­litik (pas­siert da eigent­lich was inner­halb der Partei?) erhält die Pira­ten­partei in diesem Jahr (noch?) nicht meine Stimme.

Zudem sehe ich die pira­tigen Posi­tionen größ­ten­teils auch im Grünen-Programm – das nebenbei bemerkt als ein­ziges Wahl­pro­gramm einer im Bun­destag ver­tre­tenen Partei ein Kapitel explizit der Netz­po­litik widmet – ver­wur­zelt. Piraten Extended Ver­sion quasi. Der (reflex­ar­tige?) Vor­wurf, den ich auf meine per Twitter gestellte obige Frage zu hören bekam, war, dass man auch den Grünen „nicht mehr über den Weg trauen könne, weil…”

Klar, mit Ruhm beschmiert hat sich die Partei auch nicht immer – ich werfe mal galant „Afgha­nistan” in die Runde, da fällt euch sicher noch mehr ein ;) In der Politik werden Ent­schei­dungen aber nicht nach dem Schema „schwarz oder weiß” ent­schieden. Man muss mit Kom­pro­missen umgehen und sie vor allem akzep­tieren. Das ist nicht schön & zudem muss man oft genug Abstriche bei der Durch­set­zung eigener Posi­tionen hin­nehmen. Das betrifft sowohl Par­teien als auch Wähler – und bedeutet für mich: Will ich Posi­tionen der Piraten in der nächsten Legis­la­tur­pe­riode im Bun­destag ver­treten sehen, so ist die Wahl der Grünen wohl die ein­zige Alter­na­tive. Leider wird meine Stimme damit zwar „nur” in der Oppo­si­tion landen. Aber ich stimme ja nicht für das, was gerade allen gut in den Kram passt, son­dern für das, was mir gut passt. Wie ich heute schon Gerrit schrieb:

Daher wähle ich beru­higt, was ich am ehesten mit meinen momen­tanen Inter­essen ver­ein­baren kann und sage leise yeaahh ;)

Grün eben.

Und alle in echt so: „Yeaahh”

Direk­tYeaahh

Wer das Bild, den Hype & die Ideen nicht mit­be­kommen hat, sollte das zügig nach­holen. Als ich das Bild in meinem Bekann­ten­kreis her­um­ge­zeigt habe, waren die Reak­tionen schon sehr genial. Aber was hier pas­siert ist wirk­lich großartig.

Dieses ganze Mem, der „Sie­geszug” durch das (Social) Web, die Krea­ti­vität, das Zurück­führen in die Offline-Welt, die ganze Absur­dität dieses Videos, die Wir­kung auf Unwis­sende… unfassbar! I love teh inter­netz!

Wir haben die Klarheit. Nicht.

Aus einer Haus­ar­beit zur ver­än­derten Politik der CDU in Bezug auf die Wirtschaftskrise:

Auch wenn sich somit die Beschrei­bung der Rolle des Staates in einigen Bau­steinen des Regie­rungs­pro­gramms deut­lich von dem bis­he­rigen Wort­laut unter­scheidet, wird die stär­kere Beto­nung der Ver­pflich­tung des Staates zum Ein­satz von Steuer­in­stru­menten deut­lich ein­ge­schränkt und auf die schwie­rige Zeit der Finanz­krise beschränkt, in der die Wirt­schaft zur Nut­zung ihrer eigenen Kraft staat­liche Unter­stüt­zung bei der Schaf­fung von Rah­men­be­din­gungen benötigt.

Genau. Auf jeden Fall sollte man hin­zu­fügen:

(Direkt­Ver­wir­rung)

Soweit alles klar, oder? :D

Oh, The Temptation!

Weil es ein­fach zu groß­artig ist, um es „nur” bei Face­book zu posten: Kleine Kinder bekommen einen Mar­shmallow & das Ver­spre­chen, nach einer gewissen War­te­zeit einen zweiten zu bekommen – so lange der erste bis dahin nicht gegessen wird. Gemein, aber auch unglaub­lich niedlich!

Oh, The Temp­ta­tion from Steve V on Vimeo. (Via weiß­nicht­mehr, aber danach noch­mals bei Nerd­core gesehen.)

Was passieren kann, wenn man sich kooperativ verhält…

Auch den drei Beamten dort schil­derte ich unter Tränen noch­mals den ganzen Sach­ver­halt und fragte, ob ich der Erken­nungs­dienst­li­chen Erfas­sung denn wenigs­tens for­mell wider­spre­chen könne, da es sich doch ganz klar um ein Miss­ver­ständnis han­dele – dies wurde ver­neint und ein Schild an der Wand wies mich mit­tels eines Para­gra­phen darauf hin, dass die Erken­nungs­dienst­li­chen Maß­nahmen not­falls auch mit Gewalt durch­ge­führt werden könnten. Ich könne aber mit Hilfe eines Anwalts im Nach­hinein der Maß­nahme wider­spre­chen, wozu er mir auch raten würde. Meine Frage, wer die Maß­nahme ange­ordnet hätte, wurde mir mit einem Buch­sta­ben­ab­kür­zung beant­wortet, deren Bedeu­tung mir die anwe­senden Beamten aber nicht erklären konnten oder wollten. Es wurden meine Fin­ger­ab­drücke von beiden Händen (alle Finger und kom­plette Hand), in dop­pelter Aus­füh­rung genommen, sowie erneut Fotos, offen­sicht­lich für die Verbrecherkartei,gemacht.

Unglaub­lich, was @alios da bei der Demo „Frei­heit statt Angst” pas­siert ist. Nach der frei­wil­ligen Her­aus­gabe seines stets mit­ge­führten Mul­ti­funk­ti­ons­werk­zeugs (inklu­sive Messer – dum­mer­weise) gerät er in die (sorry für den Aus­druck…) „Mühlen des Systems”.

Er bemerkt zum Ende des Arti­kels, dass ja eigent­lich alle Beamten „nur Befehle und Anwei­sungen aus­ge­führt [.] haben”. Aber darf man des­halb jemanden so behan­deln? Bei Sätzen wie: „… und hatte das Gefühl, als Mensch ernst– und wahr­ge­nommen zu werden” fehlen mir wirk­lich die Worte. In was für einem Land leben wir eigent­lich? Unfassbar.

PS: Der Titel soll natür­lich keine Auf­for­de­rung sein, sich „unko­ope­rativ” zu ver­halten. Das macht es auch nicht besser. Bedenk­lich ist es in jedem Fall, dass sowas einem unbe­darften Demons­tra­ti­ons­teil­nehmer pas­sieren kann.

Update: Es gibt diverse Mir­rors des Original-Textes. Ser­ver­ka­pa­zität & Inter­esse an der Geschichte gehen wohl stark aus­ein­ander ;)

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